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Mit rund 150 Teilnehmenden hat Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) am 16. Juni 2026 in der Flora Köln erstmals den Komposit Kompass ausgerichtet. Geschäftsführerin Carina Götzen und Geschäftsführer Tommy Berg eröffneten das neue Format für die Schaden- und Unfallversicherung, das Entscheidungsträger:innen aus der Versicherungswirtschaft in Deutschland und Österreich zusammenbrachte.

Im Mittelpunkt standen zentrale Steuerungsfragen der Kompositversicherung: Profitabilität in der Wohngebäudeversicherung, Elementarschutz, Klimarisiken, risikogerechte Prämien, Prävention, Rückversicherung, Cat Bonds sowie Pricing Excellence und Wohlverhaltensaufsicht. Die Diskussionen machten deutlich, dass diese Themen zunehmend zusammenhängen und von Versicherern nicht mehr isoliert betrachtet werden können. Gefragt sind tragfähige Zielbilder, belastbare Daten, wirksame Prozesse und klare Entscheidungsstrukturen.

Einen Schwerpunkt bildete die Lage der Wohngebäudeversicherung. Dr. Per-Johan Horgby, Vorstand der Württembergischen Versicherung, machte deutlich, dass die Sparte strukturell weiter unter Druck steht. Seit der Deregulierung 1994 lag die Schaden- und Kostenquote im Markt im Durchschnitt bei rund 106 Prozent. Nach Rückversicherung steigt die Betrachtung auf etwa 111 Prozent, unter zusätzlicher Berücksichtigung von Kapitalkosten sogar auf eine wirtschaftliche Combined Ratio von rund 118 Prozent. Damit wird deutlich: Die Wohngebäudeversicherung ist langfristig nicht auskömmlich kalkuliert. Zwar war 2025 aufgrund ausbleibender großer Elementarschäden ein vergleichsweise günstiges Jahr; strukturell belasten jedoch vor allem steigende Bau- und Reparaturkosten, Elementarrisiken und Kapitalkosten die Profitabilität. Entscheidend sei daher eine konsequent risikogerechte Kalkulation – im Bestand ebenso wie im Neugeschäft.

Auch die politische Diskussion um eine verpflichtende Elementarschadenversicherung wurde intensiv diskutiert. Dr. Andreas Meyerthole, Geschäftsführer von MSK, plädierte dafür, die Debatte konsequent von der risikogerechten Prämie aus zu führen. Prämiendeckel bedeuteten stets Umverteilung; deshalb müsse transparent geklärt werden, wer die daraus resultierende Lücke trägt: Staat, Versicherer oder Versichertengemeinschaft.
Ein tragfähiges Zielbild müsse neben Schaden- und Verwaltungskosten auch Kapitalkosten berücksichtigen, die gerade bei seltenen, aber sehr großen Naturkatastrophen erheblich sein können.

Dr. Horgby zeigte sich offen für ein marktwirtschaftlich geprägtes Opt-out-Modell. Eine solche Lösung könne die Risikowahrnehmung der Eigentümer:innen stärken, ohne risikogerechte Preissignale auszuschalten. Dr. Stefan Ostermeier, Generalbevollmächtigter der Deutschen Rückversicherung, betonte die Bedeutung eines laufend weiterentwickelten Enterprise Risk Managements. Neben Klimarisiken müssten Versicherer auch Inflation, geopolitische Entwicklungen und Kapitalmarktrisiken konsequent in Modelle, Portfoliostrategien und Risikoappetit integrieren. Beim Einsatz von Cat Bonds zeigten sich die Diskutanten zurückhaltend: Kapitalmarktinstrumente könnten zur Diversifikation beitragen, müssten aber im Einzelfall einen klaren wirtschaftlichen Mehrwert liefern.

Die wissenschaftliche Perspektive brachte Prof. Dr. Stephanie Fiedler von der Universität Heidelberg ein. Sie warnte vor einer vorschnellen Interpretation einzelner Extremereignisse. Klimawandel zeige sich in statistischen Veränderungen über längere Zeiträume. Für die Zukunft wiesen die Szenarien jedoch auf häufigere und intensivere Extremereignisse hin. Einigkeit bestand darin, dass Prävention ein zentraler Baustein jeder zukunftsfähigen Naturgefahrenstrategie bleibt – von lokalen Schutzmaßnahmen bis zu einer risikobewussteren Bau- und Raumplanung.

Ein weiterer Schwerpunkt war Pricing Excellence. In zwei Vorträgen erläuterten Christoph Meurer, Vorstand der Itzehoer Versicherungen, und DI Maria Kadan, Vorständin der HDI Versicherung Österreich, welche unternehmensspezifischen Anforderungen modernes Pricing in der Praxis erfüllen muss. Pricing Excellence bedeutet dabei nicht allein, das beste Modell zu haben. Entscheidend ist vielmehr, den Markt kontinuierlich zu monitoren, Preisimpulse schnell und wirksam in die Organisation zu übersetzen und Pricing als strategische Steuerungsfunktion zu verankern.

Dazu gehören Pricing-Aktuar:innen mit starken Kommunikationsfähigkeiten gegenüber Management und Vertrieb, klare Entscheidungsprozesse mit kurzer Time-to-Market sowie effiziente Governance-Strukturen. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde der Blick um das Spannungsfeld der Wohlverhaltensaufsicht erweitert. Dr. Grote von BLD, DI Maria Kadan, Christoph Meurer und Carina Götzen diskutierten unter der Moderation von Dennis Heinig die aktuariellen, juristischen und regulatorischen Perspektiven auf modernes Pricing.

Dr. Grote betonte, dass der bestehende gesetzliche Rahmen grundsätzlich ausreichend weit sei, um exzellentes Pricing umzusetzen – einschließlich einer objektiv begrenzten, dokumentierten und kontrollierten Rabattierung technischer Preise. Offen sei jedoch, ob die BaFin diese Sicht teilt und ihre Erwartungen künftig in einem Merkblatt für die Kompositversicherung konkretisiert.

Mit dem Komposit Kompass etabliert MSK ein neues Forum für aktuelle Fragen der Schaden- und Unfallversicherung. Ziel ist es, aktuarielles Know-how, Marktpraxis, wissenschaftliche Perspektiven, rechtliche Einordnung und strategische Diskussionen zusammenzuführen – und daraus Orientierung für Managemententscheidungen abzuleiten.

„Die Kompositversicherung steht vor einer Phase grundlegender Weichenstellungen“, sagt Dr. Andreas Meyerthole. „Naturgefahren, Inflation, regulatorische Anforderungen, Datenqualität, Kapitalkosten und neue Erwartungen an Pricing und Governance verändern die Kalkulation und Steuerung von Risiken. Genau dafür braucht es einen Kompass: fachlich fundiert, unabhängig und nah an den konkreten Entscheidungen der Unternehmen.“

Über den Komposit Kompass

Der Komposit Kompass ist eine Fachveranstaltung von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) für Entscheider der Kompositversicherung. Das Format vereint aktuelle Markt- und Regulierungsthemen mit praxisnahen Einblicken aus Erst- und Rückversicherung sowie Wissenschaft und Beratung.

Über MSK

Seit 1998 berät Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) Versicherungsunternehmen, Assekuradeure und Industrieunternehmen in versicherungsmathematischen Fragestellungen. Mit über 100 Mandanten zählt MSK zu den führenden aktuariellen Beratungen im deutschsprachigen Raum.

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Pia Waldhof
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