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  • Die Eigenmittel der österreichischen Kompositversicherer stiegen 2025 auf 50 Mrd. €.
  • Die maßgebliche Solvenzbedeckungsquote erhöhte sich um 14 Prozentpunkte auf 310 %.
  • Eine geringere Schadenbelastung im Jahr 2025 begünstigte diese Entwicklung.

Die Solvency-II-Kennzahlen sind zentrale Maßgrößen für die Kapitalausstattung und Risikotragfähigkeit von Versicherungsunternehmen. Veröffentlicht werden diese Kennzahlen einmal jährlich in den Berichten über Solvabilität und Finanzlage (SFCR), die die Unternehmen 2025 bis zum 8. April 2026 vorlegen mussten.

Grundlage der aktuellen Untersuchung von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) sind die SFCR-Berichte von 29 österreichischen Kompositversicherern. Die Analyse zeigt: Die Eigenmittel stiegen gegenüber dem Vorjahr um 11 % auf 50 Mrd. €. Der Kapitalbedarf nahm im gleichen Zeitraum um 6 % auf 16 Mrd. € zu. Insgesamt erhöhte sich die relevante Solvenzbedeckung im Markt damit von 296 % auf 310 %.

„Die Solvabilitätslage der österreichischen Kompositversicherer hat sich 2025 nochmals verbessert. Der Markt baut seine Bedeckung weiter aus und bestätigt damit seine insgesamt robuste Kapitalisierung. Maßgeblich dafür sind die gestiegenen Eigenmittel, aber auch die im Vergleich zum Vorjahr geringere Schadenbelastung“, sagt Carina Götzen, Geschäftsführerin von MSK und Expertin für den österreichischen Markt.

Die relevante Solvenzbedeckung fällt im österreichischen Markt erneut etwas stärker aus als in Deutschland. Dort liegt die Bedeckung bei 275 %. Österreich liegt über alle Segmente hinweg EU-weit seit mehreren Jahren auf dem höchsten Niveau.

Ein Treiber dieser Entwicklung ist die Besonderheit des österreichischen Marktes, die es ermöglicht, Schaden-/Unfall- und Lebensversicherungsgeschäft in einem Risikoträger zu bündeln. Der Anstieg der Zinsstrukturkurve Ende 2025 führte zu einer Erhöhung der stillen Reserven in den versicherungstechnischen Rückstellungen und stärkte die Eigenmittelbasis.

Auch die Schadenentwicklung wirkte stützend. Nach den hohen Naturkatastrophenbelastungen des Jahres 2024 fiel das Schadenjahr 2025 deutlich günstiger aus. Die geringere Unwetterbelastung verbesserte die Ergebnisse in der Schaden-/Unfallversicherung und begünstigte damit den Anstieg der Solvenzquoten.

Mit Blick nach vorn dürfte die aktuelle Solvenzüberdeckung jedoch unter Druck geraten, sollte eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden eingeführt werden. Eine solche Regelung würde bedeuten, dass Gebäude etwa bei Überschwemmung grundsätzlich bis zur vollen Versicherungssumme abgesichert wären. Das wäre gegenüber dem heutigen Deckungsumfang eine erhebliche Ausweitung der versicherten Exponierung.

„Eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden würde den Markt substanziell verändern. Wenn sich der versicherte Deckungsumfang bei Naturgefahren deutlich ausweitet, steigen auch die Anforderungen an Kapitalausstattung und Risikotragfähigkeit. Sollte in Deutschland tatsächlich noch in diesem Jahr die gesetzliche Grundlage geschaffen werden, dürfte das der Debatte in Österreich zusätzlichen Schub geben“, sagt Onnen Siems, Geschäftsführer von Meyerthole Siems Kohlruss.

„Mit einer Pflichtversicherung steigen die Anforderungen an die Bewertung von Naturgefahren noch einmal deutlich. Entscheidend ist dann, Exponierungen und Kumule auf einer deutlich granulareren Datenbasis zu verstehen. Datenbasierte und KI-gestützte Modelle ermöglichen es, Risiken auf Mikroebene präziser zu analysieren und daraus belastbare Strategien für Pricing, Risikoselektion und Kapitalsteuerung abzuleiten“, sagt Carina Götzen, Geschäftsführerin von MSK und Expertin für den österreichischen Markt.

Presseanfragen richten Sie bitte an: 

Pia Waldhof
Telefon: +49 (0)221 42053-0
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Über MSK

Seit 1998 berät Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) aus Köln Versicherungsgesellschaften, Assekuradeure und Industrieunternehmen in versicherungsmathematischen Fragestellungen. 

Mit über 100 Mandanten zählt MSK heute zu den führenden Adressen im deutschsprachigen Raum.